80% KI. 20% Mensch. War so. Ist so. Bleibt so.

Ich argumentiere seit fast 20 Jahren mit dem 80/20-Prinzip.

Das Pareto-Prinzip: 20 Prozent der Ursachen sind für 80 Prozent der Ergebnisse verantwortlich. Im Business bedeutet das: Ein kleiner Teil der Kunden, Maßnahmen oder Entscheidungen bringt den größten Effekt. Der Rest ist Aufwand mit wenig Hebel.

Aber wenn ich in letzter Zeit davon spreche, meine ich fast immer dasselbe: KI.

80/20

Die Aufteilung, die alles verändert

80 Prozent der Arbeit macht die KI. 20 Prozent machen wir. Dieser 20-Prozent-Anteil ist eigentlich immer derselbe: Wir prüfen das Ergebnis, ordnen es ein, entscheiden ob es passt.

Das bedeutet: Wir sparen 80 Prozent unserer Arbeit ein. Das ist, ehrlich gesagt, nicht so schlecht.

Warum 100% KI ein riesiges Risiko ist

2024 verkündete Klarna, der schwedische Zahlungsdienstleister, KI könne menschliche Mitarbeiter in großem Umfang ersetzen. 700 Stellen wurden abgebaut, ein Chatbot übernahm zwei Drittel der Kundenkontakte, und die Kundenzufriedenheit sank um 22 Prozent. Antworten zu generisch, komplexe Fälle ungelöst. 2025 fing Klarna wieder an, Menschen einzustellen.

Das war kein Scheitern von KI, sondern eine Lektion darüber, was wirklich automatisierbar ist und wie viel kleiner dieser Anteil ist, als das Management dachte.

Parallel: Uber führte Claude Code bei rund 5.000 Entwicklern ein. 95 Prozent nutzten KI-Tools monatlich, 70 Prozent der Commits waren KI-getrieben. Das Jahresbudget war nach vier Monaten aufgebraucht. Einzelne Entwickler verursachten bis zu 2.000 Dollar API-Kosten pro Monat.

Microsoft soll eine ganze Abteilung angewiesen haben, ihr KI-Coding-Tool abzuschalten. Nicht wegen schlechter Qualität. Wegen zu hoher Kosten.

Viel Nutzung bedeutet nicht automatisch viel Wert.

Der Grund ist fast immer derselbe: die 20 Prozent fehlen. Wer nicht vorher klar definiert, was wirklich gebraucht wird, bekommt von KI viel Output. Nur eben nicht unbedingt den richtigen.

Was KI gut kann. Und was nicht.

Klar definierte Aufgaben mit eindeutigen Anforderungen: KI funktioniert sehr gut. Code-Vorschläge, einfache Funktionen, Tests, Boilerplate.

Architekturentscheidungen, alte Systeme wirklich verstehen, herausfinden warum eine Entscheidung damals so getroffen wurde, die wichtigste Frage überhaupt: Was sollten wir eigentlich bauen? Hier kommt KI schnell an ihre Grenzen.

Und das gilt nicht nur fürs Coding.

Dieselbe Logik gilt für Strategiepläne. Für Marketingtexte. Für Kampagnen. Für jede Aufgabe, bei der KI beeindruckend schnell gute erste Entwürfe liefert.

KI schreibt einen Strategieplan in zehn Minuten. Aber sie kennt deine Geschichte nicht. Nicht die Kampagne, die letztes Jahr nicht funktioniert hat. Nicht den Kunden, der abgesprungen ist, weil der Tonfall nicht gepasst hat. Nicht die internen Spannungen, die jede Entscheidung still beeinflussen.

Das institutionelle Wissen, die Entscheidungsverantwortung und das Urteilsvermögen darüber, was wirklich relevant ist: Das alles bleibt menschlich.

80/20. Nicht 100/0. Und warum das auch so bleiben wird.

Die KI übernimmt 80 Prozent. Unsere 20 Prozent sind nicht der Rest. Sie sind der Kern.

ChatGPT gibt es seit fast vier Jahren. Das 80/20-Prinzip gilt noch immer. Ich bin überzeugt, dass das auch für die nächsten vier so bleibt. Weniger Angst vor der KI. Stattdessen mehr Klarheit darüber, was du einbringst: dein Insider-Wissen, deinen Kontext, dein Urteilsvermögen. Diese 20 Prozent kann dir niemand abnehmen.

Unternehmen, die KI sinnvoll einsetzen, werden nicht die sein, die menschliche Expertise abbauen. Es werden die sein, die ihre besten Leute behalten, ihnen KI in die Hand geben, und beides zusammen schneller machen.

„Wer seine 20 Prozent kennt und klar einbringt, holt aus KI mehr heraus als jeder, der einfach mehr promptet."