Ich öffne Gmail kaum noch.
Canva ebenfalls nicht. Mein Task-Management-System sehe ich selten, und selbst für Präsentationen logge ich mich meistens nicht mehr in die Präsentationssoftware ein.
Ich sage meiner KI, was ich brauche. Sie steuert die anderen Programme für mich.
Die KI ist für mich zu einer Steuerungssoftware für Software geworden.
Das ist erstaunlich effizient.
Und langsam ein bisschen langweilig.
Programmierer erleben es zuerst
Viele schreiben kaum noch selbst Code. Sie beschreiben das Ziel, lassen die KI programmieren und stoßen den nächsten Schritt an.
Selbst die Prüfung wandert zur KI, weil kein Mensch die erzeugte Menge noch vollständig lesen kann.
Der Beruf bleibt. Die eigentliche Tätigkeit verschwindet schrittweise.
Dasselbe passiert bereits in der Wissensarbeit.
Kreislauf geschlossen
In der Beratung kann die Schleife heute so aussehen: Eine KI erstellt die Analyse. Der Manager lässt sie von einer weiteren KI prüfen. Der Kunde nutzt seine KI, um den Bericht zusammenzufassen und zu bewerten.
Die Rückfragen landen wieder bei der ersten KI.
Alle sind beschäftigt. Kaum jemand arbeitet noch wirklich am Inhalt.ERSTELLEN → PRÜFEN → BEWERTEN → ZURÜCK AN DIE KI
Die KI kommuniziert über Menschen mit anderer KI. Wir werden zur Schnittstelle, geben Ergebnisse weiter und tragen am Ende die Verantwortung.
Das ist eine merkwürdige neue Arbeitsteilung.
Ich kenne das aus meinem eigenen Alltag. Ich nutze KI, um etwas zu erstellen. Danach nutze ich KI, um das Ergebnis der ersten KI zu prüfen.
Nach meiner ehrlichen Schätzung verlasse ich meine KI-Umgebung bei rund 80 Prozent meiner Arbeit gar nicht mehr.
Aus Machen wird Anleiten
Früher wechselte ich zwischen Anwendungen, suchte Informationen, übertrug Aufgaben und baute Ergebnisse in verschiedenen Programmen zusammen.
Heute gebe ich die Richtung vor.
Das System bewegt sich. Ich bleibe sitzen.
Natürlich ist Steuerung auch Arbeit. Die verbleibenden 20 Prozent tragen sogar mehr Verantwortung als früher: Ziel, Kontext, Urteil und Freigabe liegen bei mir.
Trotzdem verändert sich das Gefühl.
Schreiben wird Redigieren. Gestalten wird Auswählen. Recherchieren und Analysieren werden zur Prüfung fertiger Antworten.
Aus Machen wird Anleiten.
Das klingt wie ein Aufstieg. Weniger Routine, mehr Überblick, höhere Geschwindigkeit.
Es kann sich zugleich wie ein Tag voller Kontrollschleifen anfühlen.
Dabei verschwindet auch das Gefühl, etwas selbst geschafft zu haben. Ein Problem lösen, einen Text entwickeln oder eine Gestaltung so lange bearbeiten, bis sie wirklich funktioniert: Genau daraus entstand früher ein großer Teil der Zufriedenheit.
Heute erscheint das fertige Ergebnis oft zuerst. Mein Anteil beginnt bei der Korrektur.
Der Beruf wird innen hohl
Arbeit besteht schließlich auch aus dem Weg zum Ergebnis. Aus dem eigenen Versuch, dem Scheitern und dem Moment, in dem man eine Lösung wirklich verstanden hat.
Wenn die KI diesen Weg übernimmt, sehen wir vor allem das Resultat. Wir können es beurteilen, solange wir genügend eigenes Wissen besitzen.
Wie baut die nächste Generation dieses Wissen auf, wenn sie die eigentliche Tätigkeit kaum noch ausübt?
Wie lernt ein Entwickler guten Code, wenn er ihn weder schreibt noch gründlich liest?
Und wie entwickelt jemand Urteilskraft, wenn eine KI bereits die Arbeit einer anderen KI bewertet?
Sobald Unternehmen merken, dass mehr Output möglich ist, wird aus der gewonnenen Zeit eine neue Erwartung. Menschen arbeiten weiterhin acht oder zwölf Stunden. Sie produzieren nur viel mehr Dinge, die kaum jemand selbst erstellt, gelesen oder verstanden hat.
Sehr effizient.
Vielleicht verschwindet der Beruf zuerst aus unserem Alltag und erst viel später aus dem Organigramm.
Wir bleiben verantwortlich für Ergebnisse, die immer weniger durch unsere eigenen Hände und Köpfe gegangen sind. Irgendwann besteht ein ganzer Arbeitstag aus Anweisungen, Prüfungen und Freigaben.
Die Stelle existiert weiter. Der Beruf wird innen hohl.
Dann haben wir maximale Produktivität erreicht.
Und womöglich einen ziemlich langweiligen Job.
Wann wird Arbeit so effizient, dass wir selbst aus ihr verschwinden?